2.11.2009

Die mikrochirurgische Bandscheibenoperation – ein etabliertes Behandlungsverfahren mit guten Ergebnissen

Der-Gesundheitsblog.de hat sich für Sie einmal genauer mit dem Thema der operativen Behandlung von Bandscheibenvorfällen beschäftigt. Wir hoffen Ihnen damit einen kleinen Einblick in die Behandlungsmöglichkeiten geben zu können. Gerne beantworten wir auch Ihre Fragen dazu. Weitere Informationen finden Sie auch auf unseren Partnerseiten.

1. Wann kommt eine operative Behandlung einer Bandscheibenerkrankung in Frage?

Rückenschmerzen haben sich im Verlauf der letzten 40 Jahre zu einer „Volkskrankheit“ entwickelt: 80 % der Bevölkerung in Industrieländern durchlebt Phasen heftiger akuter Kreuzschmerzen. Diese haben die vielfältigsten Ursachen. Nur bei etwa 5 % der Betroffenen ist hierfür ein Bandscheibenvorfall mit verantwortlich, wobei sich ein solcher Befund dann meist mit zusätzlichen Symptomen (Schmerzen im Bein, Gefühlsstörungen oder Lähmungen) bemerkbar macht.


Diese Erscheinungen sind Folge des Druckes der Bandscheibe auf den Nerven. Deshalb haben alle Behandlungen von Bandscheibenvorfällen zum Ziel, den Druck vom malträtierten Nerven zu nehmen. Dies kann durch körperliche Schonung, Medikamente oder geeignete physiotherapeutische Verfahren geschehen. Führen diese Behandlungen nicht innerhalb von 4 Wochen zu einer deutlichen Beschwerdelinderung ist – nach entsprechenden Untersuchungen - eine operative Behandlung oft nicht zu umgehen. Dabei haben sich immer neue „minimal-invasive Verfahren“ etabliert. Diese Techniken haben eine Erfolgsquote von ca. 75 % und werden hierin nur von der mikrochirurgischen Bandscheibenoperation mit positiven Ergebnissen bei mehr als 90 % der Operierten übertroffen.

2. Wann ist die mikrochirurgische Bandscheibenoperation sinnvoll?

Da ein Bandscheibenvorfall immer Ausdruck einer Abnutzung der Wirbelsäule ist, sind mit ihm oft andere Veränderungen verbunden. Besonders bei zusätzlichen Nerveneinengungen durch Knochenwülste oder bei sehr großen Befunden mit abgerissenen Bandscheibenstücken („Sequester“) ist die mikrochirurgisch-offene Operation die einzige Alternative. Das gilt auch für Krankheitsverläufe mit rasch voranschreitenden Nervenfunktionsstörungen (Gefühlsstörungen, Lähmungen, Störungen der Blasenentleerung). Die Auswahl des geeigneten Behandlungsverfahrens wird der Spezialist nach eingehender Erhebung der Krankheitsvorgeschichte, gründlicher Untersuchung und ggf. Hinzuziehung von Spezialbefunden treffen.

3. Wie wird die Operation durchgeführt?

In Vollnarkose und Lagerung des Patienten in Bauchlage vergewissert sich der Operateur zunächst durch eine Spezialröntgenaufnahme über die exakten anatomischen Verhältnisse. Nach einem ca. 2 cm langen Hautschnitt wird dann ein Arbeitskanal so platziert, dass unter dem Op.-Mikroskop eine gute Übersicht gelingt. Der betroffene Nerv wird schonend im Wirbelkanal aufgesucht und seine Beziehung zum Bandscheibenvorfall dargestellt. Nach Abtragen eventueller knöcherner Kanten und Lösung von Verwachsungen lässt sich das Bandscheibenstück unter kompletter Schonung des Nerven entfernen. Durch die exzellente Ausleuchtung mit dem Mikroskop ist auch eine gute Beurteilung des Nervenverlaufes möglich. Wenn erforderlich erfolgt eine gezielte Nervenbehandlung zur Vermeidung von Reizzuständen oder Verwachsungen.

4. Was ist nach einer Operation zu beachten?

Bereits am Operationstag kann der Patient das Bett verlassen. Schmerzmittel sind nur selten erforderlich. Die stationäre Behandlung dauert je nach schwere und Umfang des Eingriffs 3-9 Tage. Nach körperlicher Schonung in der Frühphase wird ab der 3. Woche postoperativ eine gezielte physiotherapeutische Schulung der Bewegungsabläufe angestrebt. Besonders bei Patienten mit Vorschädigungen ist unter Umständen eine Kur erforderlich.

5. Wie sind die Ergebnisse?

Bei ca. 90 % der Operierten werden gute und sehr gute Ergebnisse erzielt. Neue Bandscheibenvorfälle („Rezidive“) kommen bei 4-5 % vor (bei minimal-invasiven Verfahren 10-15 %!). Komplikationen wie die vielfach befürchtete Narbenbildung mit negativen Spätfolgen oder Verletzungen von Nerven sind extrem selten (unter 1 % der Patienten).

FAZIT: Wenn konservative Behandlungen eines Bandscheibenvorfalles nicht zur Beschwerdelinderung des Patienten führen, steht mit der mikrochirurgisch-offenen Bandscheibenoperation ein etabliertes Verfahren mit breiter und risikoarmer Anwendbarkeit zur Verfügung. Unter strengen Kriterien modernen Qualitätsmanagements ist bei Anwendung durch hierfür spezialisierte Operateure ein deutlich besseres Ergebnis zu erreichen, als mit vielen der neuen „minimal-invasiven“ Verfahren.

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